Dickleibigkeit – sind die Drüsen schuld?

Die meisten Menschen können fettleibig werden. Es ist ein evolutionärer Vorteil in den Hungerzeiten gewesen, den Kalorienspeicher im Körper, in sich zu haben. In den früheren Kulturen war der Dicke möglicherweise sogar ein Ideal, ein Zeichen von Macht und Überfluss. Heute erleben wir das Gegenteil (wird ein anderer Blog).

PhysiologieCC. Hunger+Sättigung sind sehr komplizierte Vorgänge. Die Zentrale dafür ist das Emotionshirn mit Belohnungszentrum, Angstzentrum und Stressnetzwerk.

Fett zu speichern ist ein sehr komplexer Vorgang. Daran sind viele Hormone und einige innere Organe beteiligt. Unter anderem auch unsere Steuerungszen-trale -unser Gehirn. So gesehen sind die „Drüsen“ letztendlich die Verantwort-lichen, ob und wo Fett gespeichert wird. Diese befolgen aber nur Befehle von oberer Instanz-Gehirn, gemäß den Vorgaben-Gene und deren Interpre-tation -Epigenetik. Ein gesundes Fett-gewebe ist ein wichtiger Partner für unser Gehirn-Wohlbefinden, für unser Immunsystem-Abwehrkraft, für die Leber-Stoffwechsel, für unsere Hormone und Muskulatur.

Aber warum so kompliziert? Letztendlich ist Fettspeichern ganz simpel – ein Wechselspiel zwischen Energieangebot und Energieverbrauch.

Es ist unbestritten, dass die Häufigkeit von Folgeerkrankungen durch falschen (nicht menschengerechten) Lebensstil in unserer westlich-modernen Zivilisation noch immer ansteigt. Dabei sind nicht nur die individuellen Folgen und Kosten durch diese Erkrankungen allgemein bekannt, sondern auch die steigenden Kosten für die Allgemeinheit.

Dies könnte uns, solange wir uns gesund fühlen „total wurscht sein“-würde das verbleibende Leben nicht nach schmerzlosen und weitgehend beschwerdefreien Jahren durch Leid, Schmerz, Einschränkungen im Alltag bis hin zur Invalidität geprägt. Studien bestätigen, dass Fettleibige deutlich kürzer leben (5-10 Jahre). Das Dilemma ist, dass wir Menschen zukünftige Ereignisse einerseits uns nicht vorstellen können (wir haben es noch nicht erlebt), andererseits Vorstellungen von der Zukunft die Gegenwart bestimmen können -belastend (Zukunftsangst, unklare zukünftige Bedrohungen, ..) oder idealisierend ( in der Pension wird’s besser, Paradies nach dem Tod, ………)

Sich ernähren ist ein emotioneller und kultureller Vorgang. Viele Ebenen unseres Menschseins sind damit verknüpft. Ratgeber können nie Ihre individuellen Bedürfnisse und Eigenschaften berücksichtigen. Änderungen sind Arbeit mit und an sich selbst-mit Unterstützung von Spezialist/Innen. Ziel kann nur sein -Unterstützung zur Selbsthilfe.

Es ist auch eine internationale Beobachtung, dass die Fettleibigkeit oft familiär auftritt. Leider betrifft es zunehmend mehr Kinder im jüngeren Alter. Dies liegt nicht nur an vererbten Eigenschaften, an genetischen Hormon-mustern oder „angeborenen Drüsen-schwächen“. Vielmehr liegt die Ursache im familiären Ernährungsmuster und Lebensstil.

Internationale Erhebungen ergaben, dass weltweit der Verbrauch zuckerhältiger Getränke um 1/3 angestiegen ist (siehe Zucker-Blog) und 80 % der Kinder/Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren sich nicht ausreichend körperlich bewegen (Statistik Austria, Gesundheitsportal Österreich).

Die Folgen für die Kinder sind: körperliche Erkrankungen als Jugendliche die wir bisher nur im höheren Alter kennen-wie Diabetes, Fettleber, Karies und Zahnverlust, Osteoporose und Skelettveränderungen. Aber auch psychosoziale Erkrankungen wie Depressionen, ADHS und Angststörungen sowie Schlafstörungen (Schlafapnoe).

Daher legen alle Fachgesellschaften, die sich mit Fettleibigkeit und ihren Folgen beschäftigen, besonderen Wert auf die Behandlung der gesamten Familie. Es ist nicht das primäre Ziel ein Normalgewicht zu erreichen.

Diese Änderungen beinhalten auch Bewegung-immer mit Genuß, nie mit Leistung, immer abgestimmt auf Ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Es reichen 5% Gewichtsreduktion, um das Risiko der Folgeerkrankungen deutlich zu reduzieren. Und dies gelingt eigentlich mit sehr einfachen Mitteln: 200 kal weniger Essen und 200-300kal mehr verbrennen pro Tag, 150 min Training im gemäßigten Bereich und Verhaltensänderungen in kleinen Schritten. Dieses Programm sollte für 6-12 mon angelegt werden.

Leider erkennen Eltern Fettleibigkeit nicht als relevantes Problem, bzw nehmen es bei sich und bei ihren Kindern einfach nicht wahr (durch veränderte Wahrnehmung). Oft reagieren sie sehr empört, wenn bei Gelegenheit darauf hingewiesen wird (verständlicherweise, weil sie es nicht wahrnehmen).

Trauen wir uns dieses Thema aufzugreifen und anzusprechen. Es gibt professionelle, wissenschaftlich gut fundierte Hilfs-und Unterstützungsmöglichkeiten, ausgewogene Therapieprogramme und Professionisten, die betroffene in Anspruch nehmen können.

Und diese Änderungen können in den Alltag eingebaut werden. Machen Sie möglichst viel und oft Dinge mit eigener Muskelkraft. Bewegung ist Lebensenergie und wirkt direkt im Gehirn stimmungssteigernd bzw apetittregulierend

Viele Übergewichtige berichten mir-sie hätten ja schon alles Mögliche versucht (dabei viel Geld ausgegeben) und es würde nichts helfen. Sie haben daher aufgegeben.

Gemeinsam können wir Gutes bewegen, ohne Vorwurf oder Schuldzuweisungen, sondern mit Motivation und Unterstützung (durch Familie, Nachbarschaft, Schule und Vereine). Betrachten wir es als langfristiges Gemeinschaftsprojekt- jeder kann Vorbild sein.📷

Impressum: Dr Hufnagl Alois. Grundlagen für  Inhalte der Beiträge sind Fachliteratur, aktuelle Studien und klinische Erfahrung, Bildquellen: eigene oder Pixabay

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