Die Umwelt macht krank?!

Ist die Umwelt schuld? Sind meine Kinder durch die Umwelt gefährdet? Bin ich umweltbedingten Krankheitsursachen ausgeliefert? Eine Suche im Internet ergibt mit den Begriffen "Umwelt" "krank" ungefähr 8 680 000 Ergebnisse in 0,38 Sekunden! Somit scheint dies ein relevantes Thema zu sein.

In meinen ärztlichen Gesprächen höre ich sehr häufig wenn es um gesundheits- fördernde Änderungen im Alltag geht: ich kann nicht.... wegen meiner Umwelt/Arbeit/Familie.  Und wenn Krankheitsursachen erhoben werden: ......schuld ist der Arbeitsplatz/die Wohnsituation/die Umwelt/die schlechten Nahrungsmittel.........

Es ist schon richtig. Umfeldbedingungen haben einen großen Einfluss auf unseren Lebensverlauf und auf unser individuelles Erkrankungsrisiko. Woran kann das liegen? Sind wir wirklich unserer Umwelt ausgeliefert? Und sind wir wirklich ohnmächtig?

Während unserer Entwicklung haben wir Menschen uns immer so angepasst wie es zum Überleben notwendig war. Und weil wir so anpassungsfähig sind, haben wir unsere heutige Vielfältigkeit (Hautfarbe, Größe, Körperbau, ..).

Gene(männlich) und jene der Frau vermischen sich bei der Befruchtung und ermöglichen so eine neue genetische Mischung. Wie diese sich in den körperlichen Merkmalen auswirken hängt von der Interpretation dieser Gene ab. Diese Interpretation hängt wiederum von vielen Faktoren ab – das verstehen wir unter Epigenetik.

Grundlegende Fähigkeiten und lebens- wichtige Bedürfnisse sind unabhängig davon bei allen Menschen gleich. Wie Atmen, Ernährung, Trinken, Schlafen oder Ausscheiden. Ebenso wichtig ist unsere Umweltsituation für uns wie Temperatur, Tageszeit, Ruhezeit, ungestörter Schlaf. Und genauso verhält es sich im sozialen Leben ( bereits vor der Geburt). So sind wir evolutionär als Rudeltiere angelegt und werden von unseren Bezugsmenschen genauso wie von unserem sozialen Umfeld geprägt. Dies ist in unseren Genen festgelegt und wird nach der Geburt im Rahmen der Hirnreifung und der Körperentwicklung individuell weiterentwickelt. So kann jeder Mensch für sich selbst neue Lebens/Überlebensstrategien ausprobieren, verfeinern und festigen-immer in Interaktion mit seinen Mitmenschen (Eltern, Familie, Freunde, ….) und seiner Umwelt.

Das heisst: jeder Mensch entwickelt Fähigkeiten entsprechend seiner Umwelt um zu überleben. Ein Inuit überlebt anders als an Massai, und der wieder anders als in Inka oder Mongole oder Indonesier (zumindest bis vor Kurzem).


Diese Skizze zeigt die Wanderbewegungen des modernen Menschen ausgehend von Afrika, in mehreren Wanderwellen über lange Zeitspannen. Daher blieb viel Zeit für Anpassungen und Entwicklung spezieller Eigenschaften s. Text

Wir, homo sapiens, sind als Tierart (nach millionenjahrelangen Versuchen und Irrtümern) heute die einzige noch lebende Menschenart auf dieser Erde. Wir haben erfolgreich alle Klimazonen besiedelt. Und wir haben uns unglaublich schnell vermehrt . Zu Julius Cäsars Zeit lebten ca. 400 bis 500 Millionen Menschen auf der Erde.

Dies konnten wir nur, weil wir eine sehr gute psychosoziale und hervorragende körperliche Anpassungsfähigkeit haben. Neben Größe, Hautfarbe, Gesichtsform, Körperbau, Fettverteilung haben sich insbesondere unsere Stoffwechselbedürfnisse und weitere überlebenswichtige Fähigkeiten über Generationen an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasst. Bis zur industriellen Evolution war für uns Menschen die durchschnittliche Lebensdauer sehr kurz, das Nahrungsangebot immer knapp, und alles was wir erschufen wurde mit Muskelkraft (großteils des Menschen) bewirkt. Es ist ein überheblicher Irrtum von uns, die den sogenannten westlichen Lebensstil leben, unsere Lebensweise und modernen Bedürfnisse als allgemein gültige Norm zu betrachten. In diesem Fall verleugnen wir unsere biogenetische Vorgeschichte, welche sich über viele Generationen streckt.

Studien- die den Einfluss der Wohngegend auf zB:

Wechselwirkung Einkommen:Gesundheit ist keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung. Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen, Gesundheitsbewusstsein braucht Wissen und finanzielle Möglichkeiten zur Umsetzung ( Änderung gesundheitsgefährdender Arbeits- u Wohnverhältnisse, schädlicher körperliche Belastungen, Luftverschmutzung, (vgl. Statistik Austria 2016b, S. 58). Es ist somit von starken gegenseitigen Wechselwirkungen zwischen Bildungsgrad, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Gesundheitsverhalten und Gesundheitszustand auszugehen

-das Diabetesrisiko: Young Finns Study 2018,

-Risiko für koronare Herzerkrankung: Diez Roux AV et al 2001,

-für Übergewicht: Halonen J et al 2015 oder

-für psychische Störungen: Cohen-Cline H, et al. in einer Zwillingsstudie 2015; können dies wissenschaftlich belegen. Sie zeigen, dass zwischen hohem und niedrigem Einkommen große Unterschiede im alltäglichen Leben bestehen. Niedriger soziökonomischer Status bewirkt bereits ab Kindesalter unterschiedliche Essgewohnheiten (weniger Obst, Gemüse), Rauchgewohnheiten (bereits ab dem 12.Lebensjahr), weniger Körperaktivität, mehr Fettleibigkeit, häufiger Zuckerstoffwechselstörung (beginnend mit dem 21.Lebensjahr), Fettleber, Bluthochdruck und deutlich häufiger psychische Störungen im frühen Erwachsenenalter.

Wenn wir unseren westlichen Lebensstil zeitlich mit unserer biologischen Geschichte vergleichen steht es ca 100 Jahre zu mindestens 7 mio Jahre. Dies bedeutet wir haben zwar die Fähigkeit uns an die Umwelt anzupassen, aber nicht in so kurzer Zeit.

Zugegeben- unsere jetzige Lebensweise in Österreich möchte ich mit keiner Vorgeneration oder mit den wenigsten gegenwärtigen Wohngegenden anderer Kontinente eintauschen. Es geht uns sehr gut, wir leben bequem und sehr sicher im Überfluss. Strom macht unsere Versorgung sicher, die Vorratshaltung ist hygienisch wie sorgenfrei,  und das Trinkwasser ist bei uns unbegrenzt vorhanden. Künstliches Licht verdrängt die die für uns bedrohliche Dunkelheit.

Als Kind lernen wir durch beobachten und nachmachen, orientieren uns immer an den nächsten Erwachsenen und älteren Kinder. Deren Lebensweise wird unsere Norm, unser Maßstab für richtig und falsch - im Essverhalten, Trinkverhalten, sozialen Verhalten, Lebensstil und Alltagsaktivitäten. Erst zu dem Zeitpunkt, wo unser Hirn genug gereift ist um selbst zu entscheiden und zu bewerten, können wir aktiv Änderungen anstreben-sofern wir diese Selbständigkeit und Änderungsfähigkeit erlernt haben.

Das bedeutet also- ja die Umwelt, unser persönliches Umfeld und die genetischen Vorfahren haben einen sehr großen Einfluss auf den Verlauf unseres Lebens und unser Krankheitsrisiko.

Aber viel wichtiger scheint mir, dass wir jene Fähigkeit nutzen, die wir – jeder von uns, mitbekommen haben: lebenslanges Lernen und Weiterentwicklung. Diese Fähigkeit unseres Gehirns zum Analysieren, Erkennen, Neues entwickeln und das eigene Verhalten durch Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit zu ändern kann den persönlichen Lebensverlauf zum Positiven ändern.

Wir haben die Voraussetzung dafür in unserem Gehirn angelegt. Es hat lebenslange Lernfähigkeit und Änderungsfähigkeit für aktive Lebensplanung. Die Umsetzung dieser Hirnfähigkeit muss geübt werden - in kleinen Schritten, in alltäglichen Handlungen und durch tägliches Wiederholen. Dadurch erlangen wir einen aktiveren Lebensstil, in weiterer Folge passen sich unsere Denk-und Fühlmuster im Gehirn an, und entwickeln sich weiter.

Genauso passen sich die inneren Organe, das Herz-Kreislaufsystem, der Stoffwechsel und der Bewegungsapparat an die aktivere Lebensform an. Und diese psycho-somatische Verbesserung bewirkt nicht nur eine spürbare und messbare Qualitätsverbesserung des Lebensgefühls, sondern auch eine viel effektivere Senkung der Krankheitsrisiken als Medikamente.

Statt über die perfekte Ernährung zu streiten, währe eine saisonale-regionale Ernährung mit Betonung von Gemüse, Früchten und Vollwertprodukten in Verbindung mit regelmäßiger, entspannter abwechslungsreicher Bewegung ausgleichend und gesundheitsfördernd im Alltag.

Auch wenn ich also als Kind nicht gelernt habe für mich adäquat zu sorgen – kann ich als Erwachsener damit beginnen: Achtsamkeit im Alltag, Genuß beim Essen, Ausgewogenheit der Nahrungsmittel (regional und saisonal), Meiden von zuviel Salz, Zucker und Alkohol, regelmäßige körperliche Aktivität ( Gehen, Gymnastik, Sport ) und achten auf Regeneration durch Pausen und erholsamen Schlaf.

Dies ist der nebenwirkungsfreie (zT aber auch der anstrengendere) Weg zur bestmöglichen individuellen Lebensqualität im Alltag, das beste Antiaging und neben den empfohlenen Schutzimpfungen auch die wirksamste Förderung des Immunsystems.

Auch dies ist wissenschaftlich belegbar- durch Studien von zB:

-Warbur et al 2006, -Sofi et al 2008, -Kieler Adipositas Präventions Studie, -WHO MONICA-Projekt, -Schottisch-Nationalprojekt für psych Gesundheit und Wohlbefinden.

So nebenbei – durch Ratgeber oder vernünftige Anweisungen hat sich noch selten etwas verändert, nur durch das eigene Tun.

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