Hilfe- Zuviel Stress! Ist Wohlbefinden im Alltag möglich?

Ich kann doch nichts ändern!?


Wir Menschen sind nicht wie wir uns sehen. Wir sind nicht 1 Mensch aus 1 Stück. Jeder ist ein Universum, ein Lebewesen  aus 100 Billionen eigenen Zellen und 1000x mehr Mikroorganismen. Diese riesige Anzahl an lebenden einzelnen Zellen müssen koordiniert, versorgt und reguliert werden. Erst deren komplizierte Zusammenspiel ermöglicht uns als Mensch zu überleben. Wenn wir uns betrachten vergessen wir zu oft unsere Entstehungsgeschichte- unsere Entwicklung-woher wir kommen. Wir ignorieren zu oft für welche Lebensumstände wir angepasst (selektiert) worden sind. Diese Anpassungsfähigkeit hat uns bis jetzt gerettet, unsere Rasse erhalten, und unser Überleben ermöglicht, sodass wir die letzte noch lebende Menschenart sind.

Wie wir heute leben ist gut, bequem und sicher-im Gegensatz zu den Umständen jener Zeit unserer Entstehung.

7 mio Jahre sind 1 mm vor 12h der Lebensgeschichte dieser Erde

Von der ersten Zelle bis heute sind ca 2 mrd Jahre vergangen. Wie diese Zelle sich aufbaut und wie sie überlebt gilt auch heute noch. Bei jeder Zeugung eines Menschen in den ersten 14 Tagen der embryonalen Entwicklung.

Mit viel Fantasie können wir uns eine Welt vor 7 mio Jahren vorstellen, eine Gras-Sumpflandschaft. Wir sind klein-ohne Waffen-eine begehrte Beute. Wir haben viele Eigenschaften und Strategien fürs Überleben von den damaligen Vorfahren geerbt. Ab dann aber entwickeln wir uns anders, spezieller-menschenartiger bis zu der heutigen Art (Homo sapiens), entstanden vor ca 300 000 Jahren.

Daher haben wir ein sehr gutes und effizientes Überlebensprogramm entwickelt.

ein Schema der Stress(Sympathikus)- und Entspannunsregulation(Parasympathikus) des Menschen

Wir sind ausgestattet mit großen Reserven für Krisenzeiten, Hunger- phasen und Durchhaltefähigkeiten bei Krankheiten bzw Verletzungen. Auch für plötzliche Gefahren bei der Jagd oder Kampf-Flucht-Situationen sind wir vorbereitet. Dieses System bezeichnen wir „Stress-System“ (im Schema rechts rot). Das Stress-System ermöglicht uns das Überleben. Wir mobilisieren alle nötigen Systeme und regulieren die für diese Situation nicht wichtigen runter. Die wichtigsten sind die Nebenniere-Hirn-Achse, das Hirn-Herz-Gefäß- system, das Gerinnungs- Immunsystem und das Stoffwechsel- system. Auch das Gehirn selbst ändert seine Arbeitsweise-wir werden fokussiert (Tunnelblick). Es ist plausibel dass dieser Alarmzustand nur für kurze Dauer angelegt ist.

Nach Bewältigung der Krise oder Überleben der Gefahr braucht unser Organismus eine Regenerationsphase. Auch dafür haben wir ein sehr wirksames System angelegt- das sogenannte parasympathische System. Dieses ist eine Art Bremser – der den Gasgeber (Sympathikus-System) kontrolliert.

Links:Tagphase mit Energiegewinnung und Zellverschleiß, rechts: Entspannungssystem mit Zellreperatur/Regeneration. Beide sollen im Gleichgewicht sein für das Wohlbefinden

Dieser Bremser darf also nur aktiv werden wenn wir gesund und in Sicherheit sind, geschützt durch unsere Gemeinschaft, genug zu Essen haben und wenn nachts keine Gefahr droht. Bei seiner Aktivität entsteht ein Zustand im Gehirn, den wir als Entspannung und Wohlgefühl wahrnehmen. Dabei gehen alle Körpersysteme in den Ruhemodus (außer die Reproduktions- systeme). In den Körperzellen können Verschleiß und Zellschaden (die durch Stressaktivierung entstanden sind) repariert werden-diesen Vorgang bezeichnen wir Regeneration. Vor allem die Kraftwerke des Lebens (Mitochondrien) und die Transportsysteme der Zellen (Mikrotubuli) werden repariert und neu aufgebaut.

Diese Reparaturen sind für kommende Belastungen und Stress-Situationen, also für das Überleben notwendig. Nur regenerierte Zellen können leisten, nur Individuen mit leistungsfähigen Systemen überleben.

Aber warum geht es vielen von uns schlecht, sind wir so gestresst und erschöpft im Österreich 2019 (keine urzeitlichen Gefahren, kein Verhungern, keine Parasiten)?

Stress entsteht im Gehirn. Er ist eine subjektive Reaktion auf innere und äußere Reize. Es besteht kein Unterschied ob ein Tiger vor mir steht, oder in meinem Kopf entsteht. Die psychische und körperliche Reaktion ist die selbe.

Nach einer Stresssituation benötigen wir unbedingt eine Phase der Entspannung zur Regeneration. Und auf diese wichtige Phase für unser Wohlbefinden vergessen wir.

Wir jagen von einer Leistung in die nächste:

Früher kurze Stressaktivierung, dann lange Regeneration. Heute Beginn mit Alarm, tagsüber Leistung/Konzentration/Alarme/Zeitdruck bis zum Abend, verkürzter Schlaf. Wiederbeginn müde, mit Alarm...usw.

Büro-Verkehr-Sport-Verkehr-Medien-Telefon-und Internetkontakte- dann verkürzter Schlaf- wieder unter Zeitdruck Verkehr-Büro und so weiter. Durch diesen verdichteten Lebensstil signalisieren wir jenen Hirnzentren, die für unseren Überlebenskampf zuständig sind: wir leben in einer feindlichen Umwelt.

Durch das mobile Telefon lassen wir uns bei allem was wir tun immer wieder unterbrechen, mit einem Alarm der den Fluchtreflex (Achtung Tiger!) im Überlebenshirn auslöst. In unserer „Freizeit“ leisten wir weiter ( Sport, Haus-Familienarbeit, Ehrenämter, …..). Zusätzlich vergessen wir auf Pausen und auf das „Innehalten“, auf regelmäßiges genussvolles Essen und auf entspannte Sozialkontakte. Wir machen uns den Alltagsstress meistens selber- zusätzlich verzichten auf Pausen, Regeneration und Entspannung.

Und das kann jeder in seinem Alltag ändern!

Es ist vielfach wissenschaftlich bewiesen und über tausende von Generationen in allen Kulturen überliefert- die Entspannung bringt Lebensqualität, Glücksfähigkeit und Gelassenheit. Sie ist eine Grundtechnik, die jeder lernen und üben kann. Und sie ist eine der Grundvoraussetzungen für Resilienz. Die wichtigste Regenerationsphase für uns Menschen ist der Schlaf. Über den berichte ich ein anderes Mal.

Ein Tipp: Bauchatmung wirkt entspannend.

Impressum: Dr Hufnagl Alois. Grundlagen für  Inhalte der Beiträge sind Fachliteratur, aktuelle Studien und klinische Erfahrung, Bildquellen: eigene oder Pixabay

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