Lernen und Erfinden ist das Grundprogramm unseres Gehirns


Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Möglicherweise ist das Gehirn des heutigen Menschen so spezialisiert, dass eine weitere evolutionäre Entwicklung nicht möglich ist (die nächsten 1000 Generationen werden`s wissen). Das Gehirn des heutigen Menschen (also unseres) besteht es aus ca 95 Milliarden Hirnnervenzellen (bereits bei Geburt angelegt). Tatsächlich wurden doppelt so viele in der Frühschwangerschaft angelegt. Es überlebten nur jene, die eine lernende Verbindung herstellen konnten. Die andere Hälfte wurde wieder abgebaut. So wichtig waren im Rahmen der Evolution Lernen, gute Nervenverbindungen und gute Verbindungen zu anderen Körperzellen (Organe, Muskel, Gefäße, Knochen).

Aber warum investiert der ungeborene Organismus so viel Energie und Aufwand? Weil nur in organischen Verbindungen, Nervenausläufern und Synapsen (siehe unten) Signale transportiert werden. Das bedeutet – die Nervenzellen bauen biologische Verbindungen auf um arbeiten zu können (zB den Muskel steuern), und die Hirnnervenzellen bauen neue Zellverbindungen beim Lernen auf. Nur ein gutes Gehirn mit gesundem Nervensystem konnte überleben.

Die Ausläufer der Hirnzelle verbinden sich mittels Synapsen. Die Information in der Zelle wird als Stromsignal transportiert-im Synapsenspalt durch Hormone. Bei genauer Betrachtung sieht man kleine „Warzen“ auf den Ausläufern- darin wird das Wissen als Eiweiß abgespeichert.

Stellen wir uns diese Nervenverbin-dungen wie Glasfaserkabeln vor. Nur in diesen Verbindungen kann Strom fließen. Am Ende der Verbindungen ist ein kleiner Spalt (Synapsen)-damit es keine Kurzschlüsse gibt. Dieser wird mittels chemischer Botenstoffe überbrückt - diese nennen wir Hormone. Jede Hirnnervenzelle kann beliebig viele Verbindungen aufbauen. Das Wachsen der neuen Ausläufer und bauen neuer Verbindungen dauert, benötigt Energie, Zeit und Wiederholungen – und das nennen wir Lernen. Um effizient arbeiten und gleichzeitig Energie sparen zu können arbeiten alle Hirnnervenzellen gleichzeitig und in bestimmten Mustern. Die Kontrolle, wann welche Muster und welche Informationen wichtig sind, übernehmen „Zentren“- dort sind spezialisierte Zellen zusammengefasst. Stellen wir uns einen Konzern mit 95 mrd. Mitarbeitern vor, jeder mit bis zu 1000 Telefonverbindungen-dafür braucht es Einheiten und Büros und Aufgabenverteilungen, sonst herrscht Chaos.

Alle Informationen werden mit Gefühlen und Emotionen eingefärbt. Dann werden Erlerntes, Erlebtes, Erfahrungen, Fähigkeiten oder Wissen als Eiweiß abgepackt und in den Nervenzell-Ausläufern, über das gesamte Gehirn verteilt, gespeichert. Deswegen lernen wir nicht alles gleich gern bzw leicht. Wissen Abspeichern und Abrufen ist wiederum eine Hochleistung der Zelle, und kostet Energie. Unwichtiges wird daher im Laufe der Zeit nach „hinten“ geräumt, „verstaut“, „verstaubt“ und wird fast vergessen. Wichtiges wird aber immer und jederzeit verfügbar sein.

Nun- was ist wichtig? - wichtig das, was ich täglich brauche und wiederhole! Erlerntes bleibt also frisch, aktiv und leicht aufrufbar, wenn es täglich wiederholt wird. Das bedeutet-alles was wir regelmäßig tun, wie wir fühlen und denken, was wir lesen, wie wir reden (über uns und andere), oder womit wir uns beschäftigen wird uns leicht fallen - und daher werden wir es wieder tun - eben weil es uns leicht fällt, weil es einfach ist, bequem erscheint und leicht geht.

Qu-Wikimedia. Dies ist eine Darstellung der wichtigsten Hirnbahnen vom Neuhirn bis zum Hirnstamm bzw Kleinhirn. Diese sind die „Lichtfaserkabeln“ der Evolution und transportieren Milliarden Signale pro Sekunde zwischen den Nervenzellen.

Unser Gehirn hat weitere tolle Fähigkeiten: Wir können diese biolo-gischen Vorgänge nutzen um nicht reale Inhalte zu erzeugen – wir können: uns etwas vorstellen, einbilden, ausdenken, erfinden, planen, ….. . Ebenso können nicht reale Inhalte (gedachte, erfundene, geplante, illusorische, erhoffte,…. ) biologische-reale Veränderungen und Prozesse sowohl im Gehirn als auch im Körper (Emotionen) auslösen. Unser Gehirn kann „Materie" und „Nichtmaterie“ gleichzeitig und ohne Unterschied verarbeiten (genial nicht?). So entstehen geniale Texte, Kompositionen, philosophische Erkennt-nisse, wissenschaftliche Entdeckungen, ... .

Wichtig für Lernen ist die Belohnung. Und diese ist gesellschaftlich mitgeprägt.

Unser Gehirn hat keinen direkten Kontakt mit der realen Welt. Deswegen ist die Reflexion und das Überprüfen der eigenen Vorgänge im Gehirn für uns so lebenswichtig. Dies passiert unbewusst-rund um die Uhr, selbst im Schlaf – in Form eines Dialogs: Gehirn-Körper bzw Körperorgane und Gehirn. Diesen Vorgang kann man als „Wahrnehmung“ bzw „Spüren“ bezeichnen. Wir haben eigene Hirnzentren für Umweltwahrnehmung und für Selbstwahrnehmung. Es gibt 2 grundlegende Systeme über die die Zentrale (Gehirn) mit der Peripherie (Körper) kommuniziert und dabei alle Vorgänge in unserem Organismus reguliert: Stresssystem und Entspannungssystem. Bei Störungen dieser Wahrnehmung-Mess-Fühl-Kontrollsysteme oder bei langdauernden, sich oft wiederholende Fehlsignalen werden diese komplexen Regelsysteme gestört. (siehe Blog-Stress).

eigene Darstellung. Schema über die 2 wichtigsten Systeme unseres Gehirns zum steuern und fühlen, für Aktivität und Regneration, für Tag und Nachtrhythmus als Grundlage für die Gesundheit jeder Körperzelle bzw Gehirnzelle.

Die Lernfähigkeit hat nichts mit den Inhalten zu tun, die wir aufnehmen und verarbeiten, die wir erlernen. Zum Beispiel kann so auch eine Scheinwelt entstehen (Wahn), eine falsche „Wahrheit“, eine irreale Überzeugung, unbegründete Ängste, unkontrollierte Aggressionen und zerstörende Gruppenphänomene (Kriege, Völkermorde, ..) oder bestimmte (auch gesundheitsschädliche) Verhaltensweisen (wie Rauchen, Drogen-Alkoholkonsum, …..). In diesen Fällen versagt das innere Wahrnehmungs-Beziehungs-Kontroll-Reflexionssystem, und Hilfe von außen wird notwendig (Freunde, Familie, Therapeut, …).

Eine weitere Voraussetzung für Hirngesundheit und Lernfähigkeit ist Drogenfreiheit (über Drogen folgt ein eigener Artikel).

Lernen ist Leistung/Arbeit unseres Gehirns. Deswegen benötigt es Pausen und Regeneration. Viele Menschen leiden an Regenerationsdefizit und Schlafstörungen (siehe Artikel -Schlaf). Diese können, wenn gut abgeklärt, mit Hilfe von Spezialisten gut behandelt werden. Nur fitte Hirne lernen leicht, unabhängig vom Alter.

Impressum: Dr Hufnagl Alois. Grundlagen für  Inhalte der Beiträge sind Fachliteratur, aktuelle Studien und klinische Erfahrung, Bildquellen: eigene oder Pixabay

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