Long-COVID-Syndrom: was ist das? wie erkenne ich es? was kann ich dagegen tun?

Zuallererst-unbestritten ist, diese Pandemie als eine der einschneidensten Ereignisse weltweit, betriffft alle Bereiche des menschlichen Lebens. Zusätzlich gibt es kaum ein Thema, das so kontrovers diskutiert wird, so unterschiedliche Reaktionen auslöst (vor allem bei jenen, die nie erkrankt sind). Zudem ist der Erkrankungsverlauf so unterschiedlich, nicht vorhersagbar-von harmloser „Verkühlung“- bis zum Multiorganversagen und Tod. Genauso individuell ist der Verlauf der Genesung und der Rekonvaleszenz-von „sofort wieder fit“- bis monatelang anhaltenden Spätfolgen mit zum Teil alltagsbeeinträchtigenden Beschwerden.

Wir kennen anhaltende Folgen von anderen Viruserkrankungen schon sehr lange, zB Lungenschäden nach Viruspneumonien, Nervenschmerzen nach Gürtelrose, neurologische Folgen nach FSME, uvm. . Muskel-Nervenschäden nach schwerer intensivpflichter Erkrankung kennen wir unter „critical illness neuropathy“. Langanhaltende Bauchbeschwerden (Reizdarmsyndrom) nach Darminfektionen sind uns auch nicht neu. Aber COVID – so auch die aktuellen Studien – ist anders!

COVID betrifft gleichzeitig alle Organsysteme: entweder direkt durch die Virusschädigung (Lunge, Hirn, Herz, Darm), oder indirekt durch die generalisierte Entzündungsreaktion, oder durch die Komplikationen nach Thrombosen bzw Embolien. Dementsprechend sind die Symptome nach der Erkrankung sehr unterschiedlich – werden mit dem Begriff „Post-Covid-Syndrom“(PCS) in der Fachpresse zusammengefasst.

Eine britische Studie: Multi-organ impairment in low-risk individuals with COVID doi.org/10.1101/2020.10.14.20212555 hat dies nachweisen können: Zitat: In a young, low-risk population with ongoing symptoms, almost 70% of 66 individuals have impairment in one or more organs four months after initial symptoms of SARS-CoV-2 infection. (Bild1)



Laut Robert-Koch-Institut (RKI) benötigen ca 40% der hospitalisierten Fälle eine längerfristige Betreuung. Laut einer niederländischen Studie (doi: 10.1183/23120541.00542-2020 ) waren hospitalisierte Menschen nach 3 Monaten eingeschränkt durch Fatigue (95%) und Luftnot (90%). Weitere Studien sind im Laufen, oder in der Phase der Rekrutierung oder Einreichung bei den zuständigen Kommissionen.

Leider gibt es dzt keine zuverlässigen Untersuchungen oder Laborbefunde, die ein PCS bestätigen oder ausschließen können.

In Österreich sind die ersten REHA-Einrichtungen für Erkrankte nach COVID entstanden und REHA-Aufenthalte bereits bewilligt. Aber, und das ist verständlich, wir können nur nach unserem aktuellen Wissen und unserer ärztlich-therapeutischer Erfahrung handeln. Es gibt dzt (Stand Februar 2012) noch keine internationalen gültige Richtlinien. Weiters betrifft ein PCS auch Menschen, die nicht auf REHA gehen können (oder wollen).

Für diese ist es möglich, eine in den Alltag integrierte und individualisierte Betreuung aufzubauen. Mein Vorschlag orientiert sich an das biolog.-psycholog-soziale Gesundheitsmodell. Unter der Hypothese, dass eine Störung im Hirn-Immunsystem, im vegetativem Nerven/Hormonsystem, Schlaf-Wachsystem, Antriebssystem und Aufmerksamkeits/Lernsystem entstanden ist, gleichzeitig Organschäden (zB Lunge und Blutgefäße) die körperliche Funktion beeinträchtigen – ist eine ärztliche Abklärung und Erstellen eines Behandlungsplans dringen empfehlenswert. Auch noch 2 Monate nach Erkrankung leiden 8% an Luftnot,21% an Grippesymptome,15% Darmbeschwerden und Gewichtsverlust, Hautsymptome 15%, Geruchsverlust 30%-selbst nach milder/ mittelschwerer Erkrankung


Dies konnte eine französische Studie nachweisen: doi.org/10.1016/j.cmi.2020.09.052 Follow-up of adults with noncritical COVID-19 two months after symptom onset, (Bild2).


Auch die Abwägung einer medikamentösen Unterstützung ist dem Arzt vorbehalten. Gleichzeit sind die Erkrankungen, die Vor-Covid bestanden, niemals außer Acht zu lassen.

Die allgemeinen Maßnahmen sind: die Wiederherstellung der autonomen-vegetativen Stabilität, die Verbesserung der Erholungs- und Regernationsfähigkeit, der Biochronologie und der bio-psychologischen Stabilität. Weiters soll das neuro-muskuläre System gekräftigt und die Atemfunktion wiederhergestellt werden. Bei unklaren Beschwerden, oder falls Sie den Verdacht auf ein PCS haben, kontaktieren Sie den Arzt Ihres Vertrauens, um eine adäquate Behandlung einzuleiten. Je früher diese eingeleitet wird, desto effektiver ist sie.

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