SARS-CoV 2 Impfstoff: Stand 12 2020-können wir vertrauen?

Ich bin häufig konfrontiert mit der Frage wie ich zur kommenden Impfung stehe. Leider entgleitet die öffentliche Diskussion in emotionale und z.T. irrationale Themenbereiche, bzw. hin zu Glaubensfragen, wodurch eine sachliche und konstruktive Diskussion unmöglich wird. Ich möchte einen sachlichen Zugang, Meinungsaustausch auf Augenhöhe und offenen Umgang mit Unsicherheiten/Ängste anregen. Und einige Möglichkeiten aufzeigen, wo Sie sich, unabhängig von Ihrer Einstellung, qualifiziert informieren können.

Zu den Fakten:

SARS-CoV2 ist für uns Menschen ein neues Virus, pandemisch geworden Ende 2019.

Und es gibt keinen Menschen auf diesen Planeten, der nicht betroffen ist (direkt durch Infektion bzw. Betroffene in der Familie, oder wirtschaftliche Veränderungen und Einschränkungen im Alltag). Die einzige vorbeugende Maßnahme wird-wie bei vielen viralen Erkrankungen-eine Schutzimpfung sein. Diese dafür notwendigen Impfstoffe wurden/bzw werden in Rekordtempo entwickelt, und in einigen Ländern bereits angewendet.

Zu den Bedenken von vielen Fachleuten:

Von den Impfstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2, die sich bereits in der Phase III der klinischen Prüfung befinden, sind 60% den genetischen Vakzinen zuzurechnen (nukleinsäurebasierte Impfstoffe und virale Vektorimpfstoffe).

Unter dem Zeitdruck der Pandemie wurden die laufenden klinischen Phasen I und II zur Prüfung der Sicherheit durch Zusammenschieben und Zusammenlegen deutlich verkürzt („Teleskopierung“). Zusätzlich wurde ein sogenanntes „rolling review“ von der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) angewendet. Dies könnte das Risiko von Nichterkennen der möglichen Nebenwirkungen oder von Impfkomplikationen erhöhen.

Bisher besteht keine Klarheit – ob Impfungen nur den Geimpften schützen – oder ob auch die Übertragung von SARS-CoV2 verhindert wird (würde das Nutzen-Risiko-Verhältnis verändern)

Eine Übersicht dieser Einwände sachlich dargelegt finden Sie: www.der-arzneimittelbrief.at, Jahrgang 54 Nr 11 Seite 85-88.

Eine weitere Kritik gibt es bzgl dem Impfstoff von Astra Zeneca/Oxford, einem Impfstoff auf Schimpansenvirus-Basis. Hier seien in den Studien unterschiedliche Dosierungen verwendet und keine Alten eingeschlossen worden, mit einem eher niedrigen Impfresponse (ca 70%) (weiteres s.u.##)


Zu den Befürwortern unter den Spezialisten:

Die sogenannten kurzen Studien/Entwicklungszeiten sind relativ. Grundlagenforschung für die aktuellen-neuen Impfstoffe laufen seit vielen Jahren (durch Dengue, Chikungunya, Ebola, Tollwut, HPV-Impfstoffentwicklungen). Manche Corona-Impfstoffe basieren auf die bewährte Methode: Virusplattformen (harmloses Virus als Genträger).

Weiters wurden die Entwicklungsverfahren von Impfstoffen, Entwicklungszeiten und Studiendauern bereits seit 1980 laufend optimiert und dadurch dtl verkürzt. Zusätzlich wurde die Impfstoffgewinnung laufend sicherer und verträglicher (durch Zellkulturen anstatt tierischem Gewebe).

Jeder bisher bekannte Impfstoff wurde bei Neuzulassung durch Studien getestet-und danach durch strenge Melderegeln bei Nebenwirkungen weiter überwacht (Langzeitfolgen nach Impfungen können selbst bei 6-8 Jahre dauernden Zulassungsverfahren nicht erkannt werden). Es gibt ein europaweites Meldesystem von Impfnebenwirkungen/Impfschäden – wo auch die neuen Impfstoffe laufend eingepflegt werden.

Bio-genetisch veränderte Impfstoffe (harmlose Viren mit der impf-relevanten eingebauten genetischen Information) werden bereits erfolgreich angewendet-siehe oben.

Beim sogenannten „Oxford-Impfstoff“ (s.o.##) zeigten die Studie bei über 70jährigen eine bessere Verträglichkeit als die jüngeren Probanden- publiziert 11 2020 The Lancet https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32466-1. Diese widersprüchliche Interpretation ein und derselben Studie zeigt, wie kompliziert das Interpretieren wissenschaftlicher Studien ist.

Weiters seien in Summe aller Studien mehr Patienten weltweit eingeschlossen worden, als bei manchen früheren Zulassungen. Daten von über 40 000 Probanden (einer Studie) seien schon sehr aussagekräftig.

Meine persönliche Meinung:

wenn die europäische Zulassungsbehörde die laufende Einsicht in die Studien, die tägliche Kommunikation mit den Herstellern zusammenfasst und veröffentlicht-können wir diesem Ergebnis vertrauen. Wenn die Daten hinweisen auf einen dtl höheren Nutzen der Impfung als das Risiko eines Impfschadens spricht dies für eine Impfung. Wenn die Wirksamkeit der Impfung höher ist als 70%, dann spricht dies für eine Impfung. Wenn wir keine spezifische Therapie einer COVID haben-spricht dies für eine Impfung.


Weitere Gedanken zur COVID-Impfstoff Diskussion:

Zum Unterschied Impfreaktion – Impfkomplikation: Impfreaktion: eine gewünschte Reaktion des Geimpften, die eine Reaktion des Immunsystems zeigt, mit zB Fieber, Lymphknotenschwellung, Müdigkeit, Kopf/Gliederschmerzen, Rötung und Schwellung im Bereich der Impfstelle.

Impfkomplikation: ist definitionsgemäß eine Reaktion auf eine Impfung, die über das übliche Maß hinausgeht, und ist meldepflichtig.


Impfschäden:

sind die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung; ein Impfschaden liegt auch vor, wenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft wurde und eine andere als die geimpfte Person geschädigt wurde.


Zu den ethischen Aspekten der COVID-Impfung folgender Link:

www.bundeskanzleramt.gv.at/themen/bioethikkommission/publikationen-bioethik.html